Die Teilnehmer der Waldbegehung nahmen den Ausbau des Seltelweges in Augenschein.

Bericht Waldbegehung 2007

Die diesjährige Waldbegehung wurde am Freitag, 19. Oktober 2007 im Bereich des Forstreviers "Geisingen Süd" auf Gemarkung Kirchen-Hausen durchgeführt.

Herr Forstdirektor Dr. Veit Hirner und Büroleiter Ulrich Maier vom Landratsamt Tuttlingen führten die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates und die Ortschaftsräte von Kirchen-Hausen in bewährter Weise durch den Wald und anschließend durch die Beratungen mit dem dazugehörige Zahlenwerk.

Als erste Station wurde die Erddeponie "Seltel" in Augenschein genommen. Diese wird momentan von der Pächterfirma Uhrig aus Geisingen eingeebnet und nach den Planvorgaben modelliert. Dr. Hirner wies bei der Begehung darauf hin, dass zur Rekultivierung der Deponiefläche noch Humus aufgebracht werden muss. Zu weiteren Abklärung von Details wird noch ein gesonderter Termin vereinbart werden.

Das erste Waldbild wurde im Distrikt XIII "Seltelhau", Abteilung 4 begutachtet. Bei dem im Durchschnitt 135 jährigen Buchen handelt es sich um einen sehr wüchsigen Bestand. Die Bäume sind hiebsreif und müssen geerntet werden. Der Hieb ist für den Winter 2008 vorgesehen. Im Bestand ist eines sehr schöne Naturverjüngung vorhanden. Teilweise sollen hier Fichten neu gepflanzt werden.

Das zweite Waldbild wurde ebenfalls im Distrikt "Seltelhau" in der Abteilung "Brunnentäle" in Augenschein genommen. Der Bestand ist im Schnitt 85 Jahre alt. Er besteht zu 55 % aus Fichten, 30 % Buchen und 15 % Eschen. Da in diesem Bestand viel Holz anfällt und noch anfallen wird, werden gute Wege zur Bewirtschaftung dieses Waldes benötigt. Deshalb hat der Ausbau des Seltelweges dieses Jahr Priorität. Der Weg wird auf einer Länge von 300 m mit ca. 800 t Kiesmaterial richtig ausgebaut. Die Teilnehmer der Waldbegehung begutachteten in diesem Waldbereich eine 1,1 ha große Sturm- und Käferholzfläche, die aufgeforstet werden muss. 1.800 Fichtenjungbäume sind hier bereits gepflanzt. Weitere 1.000 Ahornbäume werden noch hinzukommen. Forstrevierleiter Hartmut Bertsche demonstrierte, wie die noch zu pflanzenden Bergahornbäumchen mit einer Wachstumshülle vor Wildverbiss geschützt werden können.



Forstrevierleiter Hartmut Bertsche bei der Demonstration der Anwendung einer Wachstumshülle zum Schutz von Jungbäumen.

Die letzte Station fand für die Teilnehmer der Waldbegehung im Pfaffental im Distrikt III, "Kirchtal Länge" statt. Hier handelt es sich um einen im Durchschnitt 95 jährigen Fichten- und Buchenbestand in dem demnächst auf 10 ha eine zweite Durchforstung stattfinden soll. Bei dieser Durchforstung werden, auch aus Gründen der Verkehrsicherungspflicht, einige Traufbäume entlang des Pfaffentalweges gefällt.

Bei den sich an die Waldbegehung anschließenden Beratungen ging Dr. Hirner auf die Holzmarktlage ein. Er wies darauf hin, dass die Schwellenländer Indien und China für den Holzabsatz von zunehmender Bedeutung werden. Mittlerweile werden 30 % des deutschen Holzeinschlages exportiert. Wichtigstes Abnehmerland ist hierbei die USA. Durch die Immobilienkrise ist aber der US-Markt um 50 % eingebrochen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass andere Abnehmerländer vorhanden sind.

Durch die sehr guten Holzmarktpreise konnte im Stadtwald Geisingen im Jahr 2006 ein Gewinn von rund 100 T€ erwirtschaftet werden. Im Januar 2007 hat der Sturm "Kyrill" mit 37 Mio Festmetern Sturmholz in Deutschland für einen Preiseinbruch gesorgt. Deshalb hatte man sich mit dem Holzeinschlag zurückgehalten. Mittlerweile hat sich der Holzpreis aber wieder stabilisiert. Derzeit lieft der Erlös für Fichtenstammholz bei 80,-- € pro Festmeter, Tendenz steigend. Durch die nasse Witterung im Sommer ist dieses Jahr glücklicherweise ungewöhnlich wenig Käferholz angefallen. Der derzeitige Stand für das Jahr 2007 im Stadtwald liegt bei 1.550 Festmeter Käferholz. Beim Buchenstammholz gibt es auch wieder einen Preisanstieg. Insbesondere sind mittlerweile die schlechteren Hölzer wieder gefragt. Auch der Export nach China nimmt wieder zu. Im Bereich des Brennholzes ist ebenfalls eine große Nachfrage vorhanden, sodass hier eine Konkurrenz zwischen Energie- und Industrieholz besteht. Der Brennholzpreis sollte deshalb nicht unter dem Industrieholzpreis liegen. In Geisingen liegt der Brennholzpreis derzeit bei 44,-- € pro Festmeter (inklusive MwSt). Die Bautätigkeit in Deutschland ist derzeit leider weiter rückläufig. Hingegen boomt der Verpackungsmarkt und damit die Nachfrage nach niedrigeren Holzqualitäten.

Im Jahr 2007 sind bisher 8.900 Festmeter Holz verbucht. 16.000 Festmeter sollen insgesamt eingeschlagen werden. Bisher ist das Jahr 2007 gut verlaufen. Es besteht die berechtigte Hoffnung auch im Jahr 2007 wieder ein gutes Ergebnis im Wald zu erzielen.

Die Planungen für das 2008 sehen wieder einen Hiebsatz von 16.000 Festmetern vor. Hierbei ist der Vornutzungsanteil mit 86 % sehr groß. Man ist bestrebt die Bestände zu pflegen und bei den derzeit guten Preisen geringwertigere Bestände zu verkaufen. Der Nadelholzanteil liegt bei 47 % und der Laubholzanteil bei 53 %. Mit 31 % hat das Fichtenstammholz wieder den größten Anteil am Einschlag. Mit 22 % ist das Laubbrennholz mittlerweile auch von großer Bedeutung für den Stadtwald. Insgesamt sollen im kommenden Jahr 228 ha Fläche durchforstet werden. Jungbestandspflege soll auf 13 ha erfolgen. Auf 3,2 ha Fläche, in der Rotlaube, an der Kratzhalde und der Leitelsteig sollen Kulturen gesetzt werden. Hierfür sind 7.400 Fichten-, 1.030 Douglasien- und 1.300 Bergahornbäumchen vorgesehen.

Büroleiter Ulrich Maier vom Landratsamt Tuttlingen erläuterte das Zahlenwerk zum Waldhaushalt 2008. Für das Jahr 2008 ist ein Überschuss des Forstbetriebes von 44.500 € eingeplant.

Forstrevierleiter Hartmut Bertsche und Karl-Ernst Rapp erklärten, dass im Jahr 2008 Wegebaumaßnahmen an der Kohlsteig in Leipferdingen, dem Niedelweg in Kirchen-Hausen, der Schneckensteig in Geisingen und dem Ergetenweg in Gutmadingen erfolgen sollen.

Bürgermeister Walter Hengstler zeigte sich erfreut über den erwarteten Überschuss. Er wies darauf hin, dass Vergleiche mit anderen waldbesitzenden Gemeinden hinsichtlich des Überschusses hinken und detailliert hinterfragt werden müssen. In anderen Wäldern herrschen auch bessere Wuchsbedingungen wie in Geisingen. Andere Gemeinden verrechnen zudem Erlöse, wie z.B. aus Kiesverkäufen im Forstbetrieb oder rechnen die Jagdpachterlöse dem Wald zu.

Abschließend dankte Bürgermeister Hengstler Forstdirektor Dr. Hirner und Büroleiter Maier sowie den städtischen Forstrevierleitern für die diesjährige Führung im Wald.


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